DER 100 KM TOTENKOPFMARSCH IN BELGIEN

I`m the Queen of Walking Death- Der 100 km Dodentocht in Belgien


Als der 12. August 2016  und der Totenkopfmarsch in Bornem immer näher rückte und ich immer noch keinen meiner Freunde von dem Lauf überzeugen konnte, brauchte ich einen Trainingsplan. Ich hatte mir fest vorgenommen jedes Wochenende zu trainieren. So gingen die Wochen ins Land. Viel trainiert habe ich jedoch nicht. Zwei Läufe in der Woche (à 9 km) und mal am Wochenende, wenn Zeit war…In der letzten Woche habe ich nochmal alles geben, 40 km…bei 30 Grad Hitze…ohne Wasser… Läuft!

 

Was hatte ich in meinem Turnbeutel für den 100 km Todesmarsch?

-    Blasenpflaster (Tape your feet was das Zeug hält) und eine Nadel mit einem Faden 

-    Energie Riegel 4x

-    Nüsschen

-    Energie Drink

-    Socken 2 Paar (Laufsocken,  aber keine besonders teuren)

-    Turnschuhe (ich hatte ein paar meiner alten Nike Schuhe dabei, die   haben mich noch   nie im Stich gelassen)

-    Für die Herren empfiehlt sich Vaseline gegen den Wolf

Alles locker bis zum Start...

Nun war er da. Der Tag des 100 km Laufs. Nervös machte dieser Tag mich nicht, im Gegenteil, ich war motiviert und wollte bis zur Erschöpfung alles geben! Eine Stunde vor dem Start erreichte ich das kleine Dorf Bornem in Belgien. Zum Glück hatte ich einen Anmeldepunkt gefunden, bei dem etwas weniger los war. Mit ein bisschen „oooh, wo stellt man sich denn hier an, Vorsicht, Vorsicht!!!…“ und „Ups ich wollte mich nicht vordrängeln…“ kam ich auch recht schnell dran. Jetzt noch schnell etwas essen. Eigentlich ernähre ich mich gesund und weiß, dass Pommes nun wirklich nichts Gutes für mich sind aber diesmal brauchte ich nur schnell etwas in den Magen. Ein Paar Nüsse habe ich dann auch noch schnell vernascht. Und ab an den Start. 10 Min. habe ich gewartet, dann ging es auch schon los. Der Startschuss war gefallen. Ganz Bornem war im Ausnahmezustand. Pünktlich um 21 Uhr. Bis die Traube sich natürlich bewegte, war es fast 1 Stunde später. Bis man etwas schneller vorwärts kam, nochmals locker 3 Stunden später.

Das Futter bei dem 100 km Todesmarsch ist definitiv das Beste

Die Versorgung war wirklich top! Bereits nach den ersten 10 km gab es den ersten Energie Drink und gebackene Puddingteilchen. Verhungern kann man da wirklich nicht und alles war so lecker! Kuchen, Suppe, Obst und Getränke. Alles was das Herz begehrt. Für 38 € Startgebühr war das top organisiert! Da kann sich der Kölner Marathon mit einer halben Banane und etwas Wasser eine Scheibe von abschneiden!

 

Usain Bolt kann einpacken

Die ersten 40 km vergingen und ich war hochmotiviert. Ich war an diesem Abend in meinem Kopf der weibliche Usain Bold! Was ist jedoch die richtige Lauftaktik? Joggen, Laufen, Rennen oder eine Kombination? Für mich persönlich war die beste Kombination aus Joggen und Laufen. 3 km Joggen. 2 km Laufen. Versorgungspunkt. Und das Ganze von Versorgungspunkt zu Versorgungspunkt.

 

Die erste große Pause von 20 Minuten gönnte ich mir erst nach 50 km (Uhrzeit 5 Uhr morgens). Ich wollte so viel wie möglich schaffen, bis ich schwächel. Hat auch gut geklappt. Bis Kilometer 70 hatte ich erstaunlicherweise keine Probleme. Außer diese Blasen! Meine Füße waren nach 70 km wirklich am A… Ich hatte riesige Blasen an den Füßen. Komischerweise habe ich die erst bemerkt, als ich meine Schuhe auszog. Egal, Blase auf, Faden durch und weiter!

 

The real Walking Death

Kilometer 80 erreichte ich gegen 9 Uhr am Morgen. Super Zeit dachte ich mir. Doch ab Kilometer 80 ging es auch bergab. Es war in den Morgenstunden bereits sehr heiß. Später erreichten die Temperaturen über 30 Grad. Auf einigen Streckenabschnitten hab es keinen Schatten. Dieser Lauf entwickelte sich zur Hölle. Meine Beine schmerzten und die Muskeln verhärteten. Joggen war nicht mehr möglich. So watschelte ich Kilometer für Kilometer. Bei Kilometer 90 wurde es erst so richtig schlimm. Nach dem Hinsetzten kam ich kaum noch hoch. Aber ohne kleine Pausen ging es auch nicht mehr, sonst wäre ich umgefallen! Was tun? Aufgeben? So kurz vor dem Ziel? Das war irgendwann leider keine Option mehr. So rappelte ich mich auf. Ich war am Ende. Die letzten 1000 m waren für mich die schlimmsten. Schmerzen, 30 Grad, Sonne und bereits seit über 35 Stunden wach. Kurz vor dem Ziel brach ich noch mal zusammen. Da kam ein Hund der an mir schnupperte. „Nein friss mich nicht, ich lebe noch!!!“ Irgendwie erreichte ich jedoch humpelnd das Ziel. Nach 18 Stunden!

 

Die schlimmsten Meter sind nicht die bis zum Ziel!

Jetzt nur noch ins Auto fallen!

Ach jaaaa! Genau das war das Problem! Das Auto musste noch erreicht werden. Dabei hatte ich meine letzte Kraft doch bereits für die letzten 1000 m verbraucht! Nochmal Aufrappeln! Als Zombi zum Auto humpeln! Es war vorbei. Meine Schmerzen haben den Gedanken des Triumpfes irgendwie übertönt! Zwei Tage konnte ich nicht laufen.

 

 

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